die schallplatte hängt - hexenjagd der neuzeit
Stoiber, Beckstein, Schöhnbohm, Wiefelspütz, Bosbach, Pfeiffer, usw. usw. … die üblichen Verdächtigen, wenn es darum geht hunderttausende Spieler als potentielle Zeitbomben abzustempeln und eine ganze Industrie - mit all Ihrer Vielfalt - in das dubiose Licht einer meist konservativen Wählerschaft zu setzen. Die Schallplatte hängt: “Killerspiele - Verbot - Killerspiele - Verbot - Killerspiele - Verbot - *loop*”. Es war am Montag zu ahnen als die Nachricht vom Emsdetter Amokläufer durch den Mediendschungel getrommelt wurde. “Nicht schon wieder!”… dachte sicherlich nicht nur ich genervt, “Jetzt geht das wieder los…”.
Es kam also wie es kommen musste. Rasende Reporter auf Sensationsjournalismus gedrillt, graumelierte Herren die Ihre Informationen von dubiosen wissentschaftlichen Beratern beziehen, überforderte Lehrer und Kamerageile Pickelgesichter (”Ich hab ihn gekannt… Ich hab ihn gekannt…”), alles noch geparrt mit fehlender Fachkompetenz und schlichtem Unwissen. Prima… die Gegner formieren sich wieder. Was mir leider wieder fehlt ist die differenzierte Betrachtungsweise des Falls “Emsdetten” aller schreiender Parteien und Generationen.
“Was zum Töten animiert, gehört verboten” so posaunt Stoibers Ede auf SPON. Das Interview beinhaltet für gestandene Konsolen- und PC-Spieler eine Menge Sprengstoff (wenn die CSU das wirkilch durchzieht und sie wird es versuchen).
Jene, die meinen, es handele sich um einen unzulässigen Eingriff in die Freiheit, sollen bitte schön einmal mit Pädagogen und Lehrern reden, die tagtäglich mit Kindern konfrontiert sind, die stundenlang mit solchen Spielen spielen. Ich höre oft bei Schulbesuchen: Selbst Kinder aus intakten Familien, die damit in Berührung kommen, sind die ganze Woche für den Unterricht nicht mehr zu gebrauchen.
Für mich liegt das Problem eher darin, das die Eltern Ihre Kinder vor den PC oder die Konsole abschieben… hauptsache das Balk gibt Ruhe. Was es spielt interessiert nicht… Hauptsache Mama kann Ihre Soap im Fernsehen schaun und Papa Fussball. Eine intakte Familie? Früher haben die Eltern sich noch mit Ihren Kindern beschäftigt. Wie kam der Bengel an die Waffen? Wie konnte er sich die Chemikalien für den Bombenbau organisieren? Warum wurden die schon seit Jahren bekannten Warnsignale in seinem Umfeld nicht entdeckt? Fragen über Fragen… tausend Faktoren… nur Schuld sind wieder nur die “Killerspiele” - übrigens ein Begriff den mir bis heute noch niemand genau definieren konnte.
Um bei Stoibers Forderung zu bleiben … “Was zum Töten animiert, gehört verboten”… find ich super… dann doch auch bitte gleich weitermachen mit… der Tagesschau, der Bundeswehr, den Waffenfabrikanten, dem Bush Clan, Fernsehen, Kino, Bücher, dem Musikantenstadl und jegliche andere Form- und Stilrichtung, die GEZ, unser Steuersystem, Hartz IV Gesetze… beliebig erweiterbar…
Ein bisschen weniger Populismus, ein bisschen mehr Interesse am Thema und detailiertes Hinterfragen der Fakten… sorry ihr gewählten Vertreter des Volkes: Setzen! Sechs!
Mich langweilt diese Art der “Debatte” einfach nur noch… was bleibt? Auswandern?
Weitere Diskussionen und Beiträge zum Thema:
Richard von Antigames.de und die AntiNation
Diskussion im PCX-Forum
Diskussion im Spiegel Online Forum



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5. Januar 2007 um 00:02 |
[...] Was ich allerdings heute nicht verstanden habe, bzw. nicht verstehe: Um sogenannte Killerspiele wird ein riesen Radau gemacht, die USK ist permanent in der Kritik, aber im Kino können 12jährige Kinder(?) sehen wie hunderte Menschen in die Luft gesprengt werden, verbrennen und ertrinken. Abgehackte Gliedmaßen, Verstümmelungen sind zu sehen, genauso wie das “Hinrichten”, mit Benzin übergiessen und Verbrennen eines Opfers. Hat da jemand bei der FSK gepennt? Ich als bekennender “Killerspielspieler” … was ein Unwort… hätte da eher auf eine FSK 16, eventuell hin zur 18, tendiert. Tja, wir wissen ja selbst, das in diesem Land derzeit mit zweierlei Maß gemessen wird. [...]
25. Januar 2007 um 22:05 |
[...] Ich berichte schon aus Prinzip nicht mehr über diese olle, verlogene “Killerspiel-Debatte”, die derzeit durch die Medien geistert. Neben den öffentlichkeitsgeilenden Möchtegern-Experten Vermutungen und dubiosen Studien zweifelhafter “Wissenschaftler”, der grauen, konservativen, Wählerstimmen-geilen Altherrenriege der Politik, meldet sich auf einmal das Oberhaupt von zig Millionen Christen, der Herrscher des Vatikan himself, unser Pappa Benedetto, Pabst Benedikt der XVI. zu Wort und erklärt die Videospiele zu Teufelszeug. Respekt Benno… die Diskussion erreicht neue Qualitäten. [...]